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Prof. Dr. Emil Kautzsch

Textbibel

Das Alte Testament

Das erste Buch Samuel.

Kapitel 2.

Samuels Geburt und Überführung nach Silo. (Fortsetzung)

1 Und Hanna betete und sprach:
Es jauchzt mein Herz durch Jahwe,
mein Horn ist hoch erhoben durch meinen Gott,
weit aufgethan mein Mund wider meine Feinde,
denn ich freue mich deiner Hilfe!

2 Niemand ist heilig, wie Jahwe, denn keiner ist außer dir;
es ist kein Fels gleich unserm Gott!
3 Sagt nicht immer: Hoch hinaus! hoch hinaus!
Vermessenes entfahre nicht eurem Mund!
Denn ein wissender Gott ist Jahwe
und ein Gott, der Thaten wägt.

4 Der Helden Bogen wird zerschmettert,
Strauchelnde aber gürten sich mit Kraft;
5 Satte haben sich um Brot verdingt,
aber Hungernde können feiern.
Ja, die Unfruchtbare gebiert sieben,
während die Kinderreiche dahinwelkt.

6 Jahwe tötet und macht lebendig,
er stürzt in die Unterwelt und führt herauf.
7 Jahwe macht arm und macht reich,
erniedrigt und erhöhet auch.
8 Aus dem Staube richtet er den Schwachen empor,
aus dem Kot erhebt er den Armen,
heißt sie sitzen neben den Fürsten,
weist ihnen an den Ehrenplatz.
Denn Jahwes sind der Erde Säulen,
und er stellte auf sie den Erdkreis.

9 Die Füße seiner Frommen behütet er,
aber die Gottlosen kommen um in Finsternis.
Denn nicht durch eigene Kraft siegt jemand:
10 die wider Jahwe streiten, werden zerschmettert!
Über ihm donnert er im Himmel;
Jahwe richtet die Enden der Erde.
Er verleiht Stärke seinem König,
erhebt das Horn seines Gesalbten!

Die Gottlosigkeit der Söhne Elis.   Jahwes Drohung gegen das Haus Elis.

11 Darauf ging sie wieder nach Rama. Der Knabe aber besorgte den Dienst vor Jahwe unter den Augen des Priesters Eli.  12 Elis Söhne jedoch waren nichtswürdige Menschen, die sich um Jahwe nicht kümmerten,  13 noch darum, was dem Priester vom Volke zukam. So oft nämlich jemand ein Opfer schlachtete, kam, während das Fleisch noch kochte, der Bursche des Priesters mit einer dreizackigen Gabel in der Hand  14 und stach damit in den Kessel oder Topf oder in das Becken oder die Schüssel: was dann irgend die Gabel heraufbrachte, nahm der Priester für sich. So verfuhren sie mit allen Israeliten, die dorthin nach Silo kamen.  15 Und ehe man noch das Fett in Rauch aufgehen ließ, pflegte der Bursche des Priesters zu kommen und sprach zu dem, der opferte: Gieb Fleisch her zum Braten für den Priester! Er will nicht gekochtes Fleisch von dir haben, sondern rohes!  16 Erwiderte ihm aber jener: Zuerst muß man doch das Fett in Rauch aufgehen lassen; darnach nimm dir, was du gerne magst! so gab er zur Antwort: Nein, sondern gleich sollst du es hergeben - wo nicht, so nehme ich es mit Gewalt!  17 So war die Versündigung der beiden jungen Männer sehr schwer vor Jahwe, weil sie das Opfer Jahwes gering achteten.
18 Samuel aber besorgte den Dienst vor Jahwe - ein Knabe, umgürtet mit einem linnenen Schulterkleid.  19 Dazu pflegte ihm seine Mutter einen kleinen Rock zu fertigen und brachte ihm denselben jedes Jahr, wenn sie mit ihrem Manne zum jährlichen Opfermahl hinaufwanderte.  20 Da segnete dann Eli jedesmal Elkana und sein Weib und sprach: Möge dir Jahwe Nachwuchs von diesem Weib erstatten an Stelle des Darlehens, das an Jahwe geliehen ward! Sodann kehrte er an seinen Ort zurück.  21 Und Jahwe nahm sich Hannas an, so daß sie noch drei Söhne und zwei Töchter gebar. Der junge Samuel aber wuchs heran bei Jahwe.
22 Nun war Eli ein sehr alter Mann. Doch wenn er hörte, was alles seine Söhne an ganz Israel begingen und daß sie mit den Weibern buhlten, die draußen vor dem Offenbarungszelte Dienst thaten,  23 dann sagte er zu ihnen: Warum thut ihr dergleichen Dinge, wie ich sie vom ganzen Volke vernehme?  24 Nicht doch, meine Söhne! Das ist ein schlimmes Gerücht, das ich vom Volke Jahwes verbreiten höre!  25 Sündigt ein Mensch wider Menschen, so entscheidet die Gottheit; sündigt aber jemand wider Jahwe - wer wollte sich da für ihn zum Richter aufwerfen? Sie aber hörten nicht auf die Worte ihres Vaters, denn Jahwe hatte ihren Tod beschlossen.  26 Der Knabe Samuel hingegen wuchs immer mehr heran und gewann immer mehr an Gunst bei Jahwe, wie bei Menschen.
27 Da kam ein Gottesmann zu Eli und redete ihn an: So spricht Jahwe: Allerdings habe ich mich deiner Familie geoffenbart, als sie noch in Ägypten Knechte des Hauses des Pharao waren,  28 und erwählte sie mir aus allen Stämmen Israels zu Priestern, daß sie zu meinem Altar hinaufsteigen, Räucherwerk anzuzünden und das Schulterkleid vor mir tragen sollten, und habe deiner Familie alle Feueropfer der Israeliten überwiesen -  29 warum tretet ihr meine Schlachtopfer und Opfergaben mit Füßen, die ich angeordnet habe, und achtest du deine Söhne höher als mich, daß ihr euch mästet von den besten Stücken aller Opfer, die Israel vor mir darbringt?  30 So lautet denn der Spruch Jahwes, des Gottes Israels: Ich habe zwar gesagt, deine und deines Vaters Angehörige sollen für immer vor mir aus- und eingehen - jetzt aber lautet Jahwes Spruch: Ferne sei es von mir! Nein, wer mich ehrt, den ehre ich, aber wer mich verachtet, soll in Schande geraten:  31 die Zeit wird kommen, wo ich deinen und deines Geschlechtes Arm zerschmettere, so daß es keinen Betagten mehr in deiner Familie giebt.  32 Dann wirst du auf alle die Wohlthaten blicken, die ich Israel erweisen werde; aber in deiner Familie soll sich nie mehr ein Betagter finden.  33 Nur einen deiner Angehörigen will ich nicht wegtilgen von meinem Altar, damit seine Augen verschmachten und seine Seele sich härme; dagegen soll die ganze übrige Menge deiner Nachkommen durch Menschenschwert umkommen.  34 Als Zeichen, das an deinen beiden Söhnen Hophni und Pinehas eintreffen wird, diene dir dieses: an einem Tage werden beide sterben!  35 Aber ich will mir einen zuverlässigen Priester bestellen, der nach meinem Sinn und Willen handelt; dem will ich ein dauerndes Haus bauen, daß er allezeit vor meinem Gesalbten aus- und eingehen soll.  36 Dann wird es kommen, daß, wer etwa von deinen Nachkommen noch übrig ist, herzutritt und sich vor ihm niederwirft, um ein Geldstück oder einen Laib Brot zu erbetteln, indem er spricht: Geselle mich doch einem deiner Priesterämter bei, daß ich ein Stück Brot zu essen habe!